Das energieautarke Haus: Ist unabhängiges Wohnen möglich?

Man sieht ein Stück eines Daches, auf dem Solarzellen befestigt sind. Im Hintergrund des vielleicht energieautarken Hauses sieht man den vom Sonnenaufgang eingefärbten Himmel.Foto: © Stux, Lizenz: Creative Commons CC0 1.0, Quelle: pixabay.com

Spätesten wenn der Energieanbieter mal wieder Preisbingo spielt, sehnt sich so mancher Hausbesitzer danach, unabhängig von allem und jedem sein eigenes Ding zu machen. Doch komplett ohne Strom- und Gaszähler – geht das denn? Das energieautarke Haus ist auf jeden Fall ein vielversprechendes Konzept! Wir stellen es Ihnen vor.

Was heißt “energieautark”?

Das griechische Wort “autark” bedeutet soviel wie “selbstständig”. Somit versteht man unter Energieautarkie eine Selbstversorgung mit jeglicher Energie, die gänzlich unabhängig von externen Quellen oder Lieferanten ist.

Dieses Konzept kann in kleinem Rahmen z.B. auf Geräte angewendet werden, indem sie etwa kabellos und tragbar sind. Im großen Rahmen können sich aber auch ganze Staaten als “energieautark” bezeichnen, wenn diese keinerlei Verbindung mit anderen Ländern zur Energiegewinnung bzw. -verteilung haben. Irgendwo dazwischen befindet sich dann das energieautarke Haus.

Das energieautarke Haus – wie sieht es aus?

Bezieht ein Gebäude keinerlei externe Energie, sondern kann mit den gegebenen Ressourcen seinen anfallenden Bedarf eigenständig decken, dann gilt es als energieautark. Das bedeutet, dass es sich sowohl mit Strom, als auch Heizwärme sowie Warmwasser ganzjährig, kostenlos und emissionsfrei selbst versorgen können muss. Streng genommen dürfen daher keinerlei Netzanschlüsse und keine externen Brennstofflieferungen vorhanden sein.

Dieses Konzept derart umzusetzen, ist nicht einfach. Es gibt verschiedene Ansätze, die gerne mit in den Topf der Energieautarkie geworfen werden, allerdings längst nicht alle dafür nötigen Anforderungen erfüllen. Die bekanntesten sind wohl das Passivhaus und das Nullenergiehaus.

Warum das Passivhaus nicht energieautark ist

Beim Passivhaus steht vor allem die Wärme im Fokus. Ganz grob erklärt, ist hier die Dämmung das entscheidende Kriterium, um das Ziel zu erreichen, nahezu gar nicht mehr zusätzlich heizen zu müssen. Das funktioniert, indem eine besondere Wärmedämmung in Wänden, Fenstern und Dach verbaut wird. Sie hat einen überdurchschnittlichen Rückgewinnungswert der im Haus durch Abstrahlung von Personen oder Geräten sowie durch die Sonneneinstrahlung vorhandenen Wärme. Diese wird also nicht nach draußen gelassen.

Spezielle Lüftungsanlagen verhindern weiteren Wärmeverlust und regeln zudem die Frischluftzufuhr. Häufig haben Passivhäuser auch eine besonders hohe Luftdichtheit, die aber aufgrund der allgemeinen Trockenheit des Hauses keinen Schimmel zur Folge hat. Eine spezielle Gebäudeform kann man bei Neubauten ebenso oft vorfinden. Allerdings ist das Passivhaus keine neue Bauweise, sondern ein Baustandard, der sich auf keine Architektur spezialisiert. Er kann durch Umbauten und Sanierungsmaßnahmen nahezu überall erreicht werden.

Allerdings betrifft dieses Konzept wie gesagt nur die Innentemperatur. Diese wird sommers wie winters konstant gehalten, was aber nicht unbedingt für jeden gleich angenehm ist. Darum muss für eine separate Temperierung einzelner Räume zusätzlich geheizt werden. Strom und Warmwasser muss ebenfalls mit Hilfe externer Quellen erzeugt werden.

Warum das Nullenergiehaus nicht energieautark ist

Das Ziel dieser Häuser ist es, sozusagen plus/minus Null bei ihren Energiebilanzen herauszukommen. Dafür ist es nötig genau so viel Energie ins Netz einzuspeisen, wie auch daraus entnommen wird. Um das zu erreichen, verfügen die Gebäude über bestimmte stromerzeugende Anlagen (z.B. Solarzellen). Diese decken in den lichtreichen Sommermonaten den hauseigenen Bedarf meist gut und produzieren sogar einen Überschuss, der ins allgemeine Stromnetz eingespeist wird.

Später im Winter dann reicht die hauseigene Anlage nicht mehr, um den Bedarf zu decken, da einfach zu wenig Sonnenlicht anfällt. Es wird nötig, “fremden” Strom von den Netzbetreibern zu beziehen. Wenn diese Menge aber nicht die zuvor eingespeiste überschreitet, handelt es sich um eine energieneutrale Bilanz.

Das Nullernergiehaus war dann zwar erfolgreich, doch eben weil auch hier wieder zusätzliche Ressourcen bemüht werden mussten, kann es sich hierbei nicht um ein energieautarkes Konzept handeln. Es ist zwar in vielen Fällen die Weiterentwicklung eines Passivhauses, aber noch nicht die komplette Erfüllung aller Ansprüche an die Energieautarkie.

Was braucht es für ein energieautarkes Haus?

Der Strom muss komplett selbst erzeugt werden und braucht keinerlei Zuschüsse. Sowohl das Wasser für die Heizung, als auch das für den alltäglichen Verbrauch muss ebenfalls eigenständig erwärmt werden können. Und das während des gesamten Jahres. Dies ist nur mit einer klugen Verbindung von Solarthermie und Photovoltaik-Technik möglich.

Damit diese beiden Anlagen aber optimal ihren Dienst verrichten können, bedarf es auch einige baulichen Voraussetzungen. So darf das Grundstück nicht verschattet sein. Eine Ausrichtung des Gebäudes nach Süden muss möglich sein. Und eine Dachneigung von 45° wäre ideal! Dann kann genau dieses, im Süden gelegene, schräge Dach komplett mit thermischen Solarkollektoren und Photovoltaik-Modulen ausgestattet werden und seine Arbeit antreten.

So funktioniert das Konzept “energieautark”

Die Umsetzung eines energieautarken Hauses ist nicht immer leicht. Es bedarf einer sehr guten Planung, die ihre Fühler in viele Bereiche ausstrecken muss, an die man im Normalfall gar nicht unbedingt denkt. Wir wollen diese Komplexität einmal an zwei Beispielen darstellen.

Der benötigte Strom – gibt es genug?

Energie wird im autarken Haus meist durch Solar- bzw. Photovoltaik-Anlagen gewonnen. Manche nutzen auch Windenergie, welche allerdings auf einem normalen Grundstück eher schwierig realisierbar ist. So oder so ist die dabei entstehende Energie allerdings gerade im Winter zu wenig, während im Sommer je nach Technik sogar ein Überschuss produziert wird.

Eine geeignete Speicherung ist darum das A und O. Für das Tagtägliche kann ein leistungsfähiger Solarspeicher tagsüber die erzeugte Energie ansammeln, die dann am Abend benötigt wird. Spezielle Bleigel- oder Lithium-Batterien werden bereits genutzt, um auch längerfristig und möglichst verlustarm Strom speichern zu können. Um das Gefälle von Sommer und Winter auszugleichen, wird außerdem auch an Verfahren gearbeitet, welche die Energie erst in Wasserstoff umwandeln und diese später dann mittels Brennstoffzellen wieder in Strom zurückführen können.

Dennoch ist es häufig der Fall, dass die Energie nicht ausreicht, um den Bedarf eines normalen Haushaltes zu decken. Es muss also auch am Verbrauch geschraubt werden, damit das Konzept Energieautarkie gelingt. Ausgesprochen sparsame Geräte sowie ein intelligentes Energiemanagement, das der Verbraucher effizient steuert, sorgt zusätzlich für einen minimalen Strombedarf.

Warmes Wasser – wie gelingt das Heizen?

Nicht im Keller, sondern mittig im Haus befindet sich der Wärmespeicher bestenfalls. Er sollte sehr gut gedämmt sein, damit er die durch die Solarkollektoren gewonnene Wärme möglichst über mehrere Wochen oder gar Monate halten kann. Diese steht dann für das warme Verbrauchswasser sowie fürs Heizen zur Verfügung. Im Idealfall wird der Baustandard des Passivhauses hier eingesetzt, weswegen ohnehin kaum Wärme fürs Heizen benötigt wird.

Das Schöne: Selbst wenn der Speicher nicht alle Wärme ewig halten kann – da er sich mittig im Haus befindet, gelangt diese zunächst an die umgebenden Wohnräume und heizt sie zusätzlich.

Das Energieautarke Haus – wirklich umsetzbar?

Das Konzept klingt auf jeden Fall sehr reizvoll. Zum einen ist die Unabhängigkeit von Energieanbietern ein großer Vorteil, genauso wie die sich jährlich ergebenden Kostenersparnisse. Zudem passt die Energieautarkie auch zum heute immer wichtiger werdenden Lifestyle, der auch sehr viel Wert auf den Umweltschutz legt. Wird das Konzept komplett umgesetzt, muss auf kaum etwas verzichtet werden.

Doch das selbstständige Haus hat leider auch noch immer einige Kinderkrankheiten. Zum einen ist die Anschaffung der notwendigen Anlagen und Technik noch sehr preisintensiv und somit längst nicht für jeden Bauherrn erschwinglich. Zudem ist die bauliche Situation nicht immer realisierbar, etwa weil das Grundstück eine falsche Lage hat oder aber die südliche Hausausrichtung vom Bauamt nicht genehmigt wird. Und zum Schluss sind auch immer noch die sonnenlichtarmen Monate ein großes Problem!

Doch Tatsache ist, dass selbst ein nicht ganz zu einhundert Prozent energieautarkes Haus noch immer enorm viel Energie einspart, die Umwelt schont und definitiv der Schritt in die richtige Richtung ist. Wer sich dafür also interessiert, sollte unbedingt einen Energieexperten beauftragen, welcher eine Machbarkeitsstudie durchführt und Ihnen wichtige Ratschläge und Tipps bei der Planung und Umsetzung gibt. Dann steht Ihrem energieautarken Haus nichts mehr im Wege!

Quellen
www.wikipedia.org/wiki/Nullenergiehaus
www.wikipedia.org/wiki/Passivhaus
www.terra-institute.eu/das-energieautarke-haus-heute-schon-realitaet/
www.wissenwiki.de/Nullenergiehaus
www.effizienzhaus-online.de/energieautarkes-haus